Im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel kursieren unzählige Behauptungen: Dieser Wirkstoff verbrenne Fett, jener stärke das Immunsystem, ein dritter mache müde Menschen munter. Doch wie viele dieser Aussagen halten einer wissenschaftlichen Überprüfung stand?
Deutlich weniger, als die Werbung vermuten lässt.
Genau deshalb haben wir diese Seite geschaffen. Hier legen wir offen, auf welche Quellen wir uns stützen, wie wir Studien bewerten und welche Kriterien eine Forschungsarbeit erfüllen muss, um in unsere Empfehlungen einzufließen. Denn Vertrauen entsteht nicht durch Behauptungen – sondern durch nachvollziehbare Methodik.
Unser Anspruch lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Wir lesen die Studien, damit Sie es nicht müssen – und fassen die Ergebnisse ehrlich zusammen. Ehrlich bedeutet: Auch wenn ein Ergebnis weniger spektakulär ist, als es ein Hersteller gern hätte.
Unsere Quellen – Woher unsere Informationen stammen
Nicht jede Quelle ist gleich viel wert. In der Wissenschaft gibt es eine klare Hierarchie der Evidenz – und diese Hierarchie bestimmt, welche Informationen wir verwenden und welche nicht.
Peer-Reviewed-Studien (Primärquellen)
Die Grundlage unserer Arbeit bilden Originalstudien, die ein Peer-Review-Verfahren durchlaufen haben – also von unabhängigen Fachkollegen geprüft wurden. Unsere primären Recherche-Datenbanken sind PubMed/MEDLINE, die Cochrane Library und Google Scholar. Wir bevorzugen systematische Reviews und Meta-Analysen, da diese die Ergebnisse mehrerer Einzelstudien zusammenfassen und dadurch ein belastbareres Gesamtbild liefern als jede Einzelstudie für sich.
Behörden & wissenschaftliche Institutionen
Neben Primärstudien stützen wir uns auf die Bewertungen anerkannter Institutionen. Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) bildet mit ihrem Health-Claims-Register die Grundlage für jede gesundheitsbezogene Aussage in der EU. Das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) liefert Risikobewertungen und Höchstmengenempfehlungen. Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) definiert Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Ergänzt werden diese durch internationale Leitlinien der WHO.
Pharmazeutische Fachpublikationen
Für die pharmazeutische Einordnung – insbesondere zu Dosierungen, Darreichungsformen, Bioverfügbarkeit und Wechselwirkungen – nutzen wir Fachmedien wie die Deutsche Apotheker Zeitung, die Pharmazeutische Zeitung und internationale Journals wie das Journal of Nutritional Science und Nutrients. Diese Quellen ergänzen die Studienlage um praxisrelevante pharmazeutische Perspektiven, die in reinen Wirksamkeitsstudien oft zu kurz kommen.
Was wir ausdrücklich nicht als Quelle akzeptieren
Transparenz bedeutet auch zu sagen, was wir nicht verwenden. Hersteller-eigene Studien ohne unabhängiges Peer Review fließen nicht in unsere Bewertungen ein. Ebenso wenig Erfahrungsberichte und Testimonials ohne klinische Grundlage, Pressemitteilungen oder Marketing-Materialien, die keine Primärquelle referenzieren, und Beiträge aus Sozialen Medien, Foren oder von Influencern ohne nachgewiesene fachliche Qualifikation. Diese Abgrenzung ist keine Formalität – sie ist der Kern unserer Glaubwürdigkeit.
Wie wir Studien bewerten – Unser 5-Schritte-Prozess
Eine Studie zu zitieren ist einfach. Eine Studie richtig einzuordnen erfordert Methodik. Nicht jede veröffentlichte Forschungsarbeit hat die gleiche Aussagekraft – deshalb durchläuft jede Studie, die wir referenzieren, einen fünfstufigen Bewertungsprozess:
1. Studiendesign prüfen
Nicht alle Studiendesigns sind gleich aussagekräftig. Wir orientieren uns an der Evidenzpyramide: An der Spitze stehen Meta-Analysen und systematische Reviews, gefolgt von randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudien (RCTs). Kohortenstudien, Fallstudien und In-vitro-Untersuchungen haben ihren Platz, werden aber in ihrer Aussagekraft entsprechend niedriger eingestuft. Eine Reagenzglasstudie ist kein Beweis für die Wirksamkeit beim Menschen – auch wenn Hersteller das gern suggerieren.
2. Stichprobengröße und Studienpopulation bewerten
Eine Studie mit 15 Teilnehmern hat eine andere Beweiskraft als eine mit 1.500. Wir bewerten, ob die Stichprobe groß genug ist, um statistisch belastbare Schlussfolgerungen zu ziehen. Studien mit weniger als 30 Teilnehmern stufen wir grundsätzlich als „vorläufig“ ein. Ebenso prüfen wir, ob die untersuchte Population – Alter, Geschlecht, Gesundheitszustand – Schlüsse auf die breite Bevölkerung zulässt oder ob die Ergebnisse nur für eine bestimmte Gruppe gelten.
3. Interessenkonflikte und Finanzierung prüfen
Wer hat die Studie finanziert? Haben die Autoren Verbindungen zum Hersteller des untersuchten Produkts? Diese Fragen sind nicht nebensächlich – sie sind entscheidend. Die Forschung zeigt konsistent, dass industriefinanzierte Studien signifikant häufiger positive Ergebnisse berichten als unabhängig finanzierte. Wir schließen herstellerfinanzierte Studien nicht kategorisch aus, ordnen ihre Ergebnisse aber transparent ein und gewichten unabhängige Forschung immer stärker.
4. Replikation und Konsistenz beachten
Eine einzelne Studie ist niemals ein Beweis. Wissenschaftliche Erkenntnis entsteht durch Wiederholung und Bestätigung. Bevor wir eine Aussage als „evidenzbasiert“ einstufen, prüfen wir, ob die Ergebnisse in unabhängigen Folgestudien repliziert wurden. Gibt es nur eine einzige positive Studie, kommunizieren wir das sprachlich präzise: „Erste Hinweise deuten darauf hin“ statt „Studien beweisen“. Diese Unterscheidung ist uns wichtig, denn sie schützt Sie vor voreiligen Schlussfolgerungen.
5. EFSA-Bewertung und Health-Claims-Status prüfen
Die EFSA hat tausende gesundheitsbezogene Aussagen wissenschaftlich bewertet und nur einen Bruchteil als zugelassene Health Claims anerkannt. Diese Bewertungen sind für uns ein zentraler Orientierungspunkt. Besitzt ein Wirkstoff einen zugelassenen Health Claim, erwähnen wir das prominent. Wurde ein Claim abgelehnt, sagen wir auch das – denn eine EFSA-Ablehnung ist ein starkes Signal, dass die Datenlage die beworbene Wirkung nicht hinreichend stützt.
Unsere Evidenzstufen – Das Ampelsystem
Um die Evidenzlage für einen Wirkstoff auf den ersten Blick einschätzen zu können, verwenden wir ein vierstufiges Bewertungssystem. Sie werden es in unseren Artikeln und Produktbewertungen wiederfinden:
| Stufe | Bedeutung | Kriterien |
|---|---|---|
| 🟢 Starke Evidenz | Wirksamkeit durch mehrere hochwertige Studien belegt | Meta-Analysen / syst. Reviews + EFSA Health Claim vorhanden + replizierte RCTs |
| 🟡 Moderate Evidenz | Hinweise auf Wirksamkeit, aber Studienlage noch nicht abschließend | Einzelne RCTs + teilweise repliziert + kein EFSA-Claim oder in Prüfung |
| 🟠 Schwache Evidenz | Erste Hinweise, aber unzureichende Datenlage für eine Empfehlung | Nur Pilotstudien / In-vitro / Tierstudien + nicht repliziert + EFSA-Claim abgelehnt |
| ⚪ Keine ausreichende Evidenz | Kein belastbarer wissenschaftlicher Nachweis | Keine Peer-Reviewed-Studien + nur Marketing-Claims + EFSA-Claim abgelehnt |
Dieses System ermöglicht differenzierte Kommunikation, statt Wirkstoffe pauschal als „wirksam“ oder „unwirksam“ zu labeln. Denn die Realität ist selten schwarz-weiß – und unsere Bewertungen spiegeln das wider.
Unsere Studien-Datenbank wächst
Wir arbeiten derzeit an einer durchsuchbaren Übersicht, in der Sie die wichtigsten Studien zu jedem von uns besprochenen Wirkstoff direkt einsehen können. Für jeden Wirkstoff werden wir die relevantesten Studien verlinken, kurz zusammenfassen und nach unserem Evidenzstufen-System einordnen.
Dieses Archiv wird kontinuierlich wachsen, sobald wir neue Wirkstoffe und Produkte auf der Plattform besprechen. Unser Ziel: eine frei zugängliche, verständlich aufbereitete Wissensressource, die über die üblichen Hersteller-Zusammenfassungen deutlich hinausgeht.
Wenn Sie über den Launch der Datenbank informiert werden möchten oder einen bestimmten Wirkstoff vorschlagen wollen, schreiben Sie uns gern.
„Eine einzelne Studie ist kein Beweis. Wissenschaft lebt von der Wiederholung und der kritischen Überprüfung. Genau diesen Prozess versuchen wir auf dieser Plattform nachvollziehbar abzubilden – verständlich, ehrlich und ohne die Komplexität zu verschweigen, die dieses Feld mit sich bringt.“
— Prof. Dr. Markus Brandt, Wissenschaftlicher Beirat
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